Wohnen: Handlauf und Geländer sorgen für einen sicheren Etagenwechsel

Auch die beste Treppe kann ohne entsprechende „Rahmenbedingungen“ nicht rundum sicher genutzt werden. Beziehungsweise: darf sie strenggenommen auch gar nicht. Denn Handlauf und Geländer sind Bestandteile der Landesbauordnung.

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  • Foto: tdx/Treppenmeister

  • Rustikal und zeitlos: Holz ist ein beliebtes Material für Geländerfüllungen. Längsstreben bieten mehr Kindersicherheit als Querstäbe. Foto: Streger

Eine kleine Definition vorab, da die Begrifflichkeiten durchaus mal verwechselt werden: Der Handlauf ist die Vorrichtung, an der man sich festhält, während das Geländer als komplexes Gebilde die offene Seite beziehungsweise Seiten einer Treppe absichert.    

Handlauf und Geländer schreibt die Landesbauordnung vor. Treppen müssen über mindestens einen griffsicheren Handlauf verfügen, die freien Seiten durch Geländer gesichert sein. Geländer müssen dabei eine Höhe von mindestens 90 Zentimetern, bei Treppen mit mehr als zwölf Metern Absturzhöhe mindestens 1,10 Metern aufweisen.



Nun gibt es auch Fälle, in welchen aus optischen Gründen auf Handlauf und Geländer verzichtet werden soll – beispielsweise bei einer Kragarmtreppe, bei welcher die einzelnen  Stufen in die Wand eingebunden werden. Hierbei sollte es sich dann jedoch nicht um eine sogenannte notwendige Treppe handeln, sondern nur um ein zusätzliches Objekt, das in erster Linie der Raum-
ästhetik dient.

Jedes Geländer hat auch einen Handlauf
Jedes Geländer verfügt über einen Handlauf – umgekehrt gilt dies jedoch nicht zwangsläufig, denn ein Handlauf kann zum Beispiel auch direkt an die Wand geschraubt werden. Dieser sollte dabei in Abwärtsrichtung auf der rechten Seite der Treppe über den gesamten Treppenverlauf angebracht sein. Davon müsse in bauordnungsrechtlicher Hinsicht der Handlauf nicht unbedingt direkt von der ersten Stufe an installiert werden, wie Treppenbauprofi Ludwig Hermschulte aus Recklinghausen bestätigt: „Der erste Meter einer Treppe muss nicht gesichert sein. Alles, was danach kommt, bedarf jedoch der Absicherung sowohl durch einen Handlauf als auch durch ein Geländer.“  

Führt eine Treppe zu einem Hauseingang, so kann ein Handlauf schon bei zwei Stufen sinnvoll sein. Sie helfen nicht nur körperlich eingeschränkten Personen beim Auf- und Abstieg, sondern jedem, da Außentreppen im Winter leicht vereisen können und somit Rutschgefahr besteht.

In jedem Falle sollte sich ein Handlauf stets gut greifen lassen. Hierzu muss der Abstand zur Wand mindestens fünf Zentimeter betragen und der Durchmesser des Handlaufs drei bis 4,5 Zentimeter; eine runde oder ovale Form ist ideal. Die Enden müssen derart gestaltet sein, dass man daran weder hängenbleiben noch abgleiten kann. Ältere Handläufe aus Holz sollten auf jeden Fall regelmäßig auf mögliche Absplitterungen kontrolliert werden. Als Materialien kommen neben Holz zum Beispiel auch Stahl oder kunststoffummmantelter Stahl in Frage. Handläufe aus Seilen sind nicht überall zulässig und bieten auch weniger Sicherheit.

Im Idealfall haben Treppen einen Handlauf auf jeder Seite. Sie vermitteln vor allem, aber nicht nur älteren Treppennutzern ein besonders sicheres Gefühl, indem sie sich rechts und links gleichzeitig festhalten können. Bei Treppen, die breiter als 1,50 Meter sind, ist ein zweiter Handlauf Pflicht; ab vier Metern ist ein mittiger Handlauf erforderlich.

Geländer darf kein Klettergerüst sein
Geländer werden als Metall- oder Holzkonstruktionen angeboten, mit senkrechten oder waagerechten Stäben, Rohren oder Gittern. Die Füllungen können beispielsweise aus Sicherheitsglas, Holz, Kunststoff, Drahtgeflechten oder -verspannungen oder auch Seilen bestehen – hier gibt es eine enorme Vielfalt. Die Befestigung der Geländerkonstruktion erfolgt entweder direkt auf den Stufen oder seitlich davon.



Bei Geländern mit senkrechten Stäben darf deren Abstand nicht mehr als zwölf Zentimeter betragen. Noch geringere Abstände können nach dem Landesbaurecht in solchen Gebäuden erforderlich werden, in denen ständig Kinder anwesend sind. Waagerechte Geländerstäbe sollten hier tabu sein, da sie dem Nachwuchs sonst als Klettergerüst dienen können.

Bei alledem sind Handläufe und ganz besonders Geländer nicht nur der Sicherheit dienlich, sondern auch der Wohnästhetik. Angesichts der großen Auswahl hinsichtlich der Designs und Materialien können jeder Einrichtungsstil und jeder Geschmack optimal bedient werden. Besonders beliebt sind Materialkombinationen, etwa aus Holz und Metall, die Natürlichkeit mit moderner Optik verbinden. Geländerfüllungen aus Glas sind vor allem dort ideal, wo die Bewohner zugunsten der optischen Wirkung am liebsten auf die Schutzvorrichtung an der Treppe verzichten würden. (sb)


ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    10. Februar 2019, 06:00 Uhr
    Aktualisiert:
    10. Februar 2019, 06:01 Uhr
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