Garten: Der Mini-Teich im Kübel ist ein Biotop für Garten und Balkon

Wasser bietet vielen Pflanzen und Tieren einen Lebensraum. Aber für einen eigenen Teich braucht man keinen Garten. Auch in Gefäßen lassen sich kleine Wasserlandschaften gestalten, sogar für den Balkon.

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  • Sogar eine kleine Wasserfläche kann sich zum Biotop für Flora und Fauna entwickeln. Foto: dpa

  • Für ein einfaches Balkon-Biotop ist etwa die Sumpf-Iris geeignet. Foto: Andrea Warnecke (dpa-tmn)

  • Für Libellen, aber auch viele andere Insekten sind Wasserstellen lebenswichtig. Ihnen kann man sogar mit einem Miniteich schon etwas Gutes tun. Foto: dpa

Für einen selbst gebauten Mini-Teich braucht man an sich nicht viel. Wasser und ein paar Pflanzen reichen aus, um einem alten Topf oder Fass neues Leben einzuhauchen. Als Deko-Element auf dem Balkon und der Terrasse kann sich so eine kleine Wasserlandschaft zu einem Hingucker entwickeln – und zu einem eigenen Biotop für Flora und Fauna. Insekten, Vögel, Eichhörnchen und andere Tiere nutzen solche kleinen Wasserstellen vor allem im Sommer gern, um zu trinken oder darin zu baden, sagt Marja Rottleb, Gartenexpertin beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) in Berlin: „Wasser heißt immer Leben, darum kann man damit allerlei Tiere anziehen.“

Welche Gefäße bieten sich als Biotop an?
Grundsätzlich jedes Gefäß und die Größe spielt dabei keine Rolle. „Natürlich hat man mehr Platz in einem großen Gefäß, aber es tut auch ein Suppentopf“, sagt Nabu-Expertin Rottleb. Zum Miniteich taugen beispielsweise ein selbst gebauter Holzkasten, ein Mörtelkübel, ein Holzbottich oder ein Steintrog. Er sollte aber eine breite Oberfläche haben und idealerweise nicht höher als 60 Zentimeter sein, erklärt der Zentralverband Gartenbau. Das Gefäß muss natürlich dicht sein oder wasserdicht mit Teichfolie ausgekleidet werden.



Wer es klassisch mag, kann Zinkwannen oder Weinfässer upcyceln – allerdings sollten diese schon ein paar Jahre alt sein. „Die metallischen Ausdünstungen von frisch verzinkten Wannen sind nachteilig für die Wasserqualität. Neue Fässer geben Gerb- und Bitterstoffe ins Wasser ab“, erklärt Matthias Schuh, Gärtner im Freilichtmuseum am Kiekeberg bei Hamburg.

Gefäße aus Kunststoff könnten aufgrund von Weichmachern problematisch sein. „Beton ist sicherlich das natürlichste unter den künstlichsten Gefäßen. Er ist atmungsaktiv, relativ wasserdicht und gibt die natürliche Gegebenheiten am besten wieder“, sagt Schuh. Der Nachteil: „Ein gefüllter Mini-Teich kann dann auch sehr schwer werden.“

Worauf muss ich beim Standort achten?
Der ist entscheidend. Der Mini-Teich sollte nicht in der Sonne aufgebaut werden, sondern eher an einem halbschattigen Platz mit maximal fünf Sonnenstunden. „Wasserpflanzen mögen es nicht allzu sonnig“, erklärt Rottleb. Zudem erwärmt sich an einem vollsonnigen Standort das grundsätzlich Wasser schneller. Die Folgen sind mehr Algen und eine hohe Verdunstung im Biotop. „Je nach Standort, Wind und Sonneneinstrahlung muss man im Sommer damit rechnen, dass der Wasserstand im Durchschnitt einen Zentimeter pro Tag abnimmt – und zwar unabhängig von der Größe der Wasserfläche“, erläutert der Landschaftsarchitekt Manuel Sauer aus Bonn.

„Der Mini-Teich sollte daher frühzeitig nachgefüllt werden.“ Dazu empfiehlt Rottleb Regenwasser. „Leitungswasser tut es aber auch. Wer kann, lässt dieses dann erstmal ein paar Tage stehen, damit Chlor und andere Stoffe entweichen können.“

Welche Pflanzen bieten sich für ein Biotop an?
Eine Seerose ist für viele die Krönung eines Teichs. „Es gibt inzwischen viele Mini-Sorten, die mit einer Wassertiefe von 30 Zentimeter zurechtkommen“, sagt Gärtner Schuh. Grundsätzlich sollte man das Gefäß nicht überfüllen, rät Landschaftsarchitekt Sauer. „In einem 40 mal 40 Zentimeter großen Behälter sollte man maximal drei Pflanzen einsetzen.“ Sonnig mögen es beispielsweise Tannenwedel (Hippuris vulgaris). Für sonnige bis halbschattige Plätze eignen sich Zwerg-Seerosen (Nymphaea tetragona), Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica) oder Kleine Wasserlinsen (Lemna minor), und den Halbschatten bevorzugt der Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae).



Für ein einfaches Balkon-Biotop empfiehlt er Mini-Rohrkolben, Froschlöffel und Sumpf-Iris. Mehrere Zonen mit unterschiedlichen Wassertiefen zu kreieren, macht aus seiner Sicht nur bei einem größeren Teich mit umfangreichen Pflanzengesellschaften Sinn. „Hier und da einzelne Steine – mit Pflanzen draufgestellt – kippen schnell um“, so Sauer.

Übereinander geschichtete Steine schaffen zudem auch nach dem Vorbild der Natur verschiedene Wuchstiefen. Die Pflanzen werden in nährstoffarme Teicherde auf den Gefäßboden und in die verschiedenen Steinstufen gesetzt. Eine Schicht schwerer Sand oder Kies auf dem Substrat verhindert Eintrübungen des Wassers.

Auch wenn im Mini-Teich Pflanzen leben: Je weniger Erde im Gefäß, desto besser, sagt Schuh. „Teichpflanzen brauchen keine Erde, sondern kommen auch mit Steingranulat zurecht.“ Grundsätzlich sollten sie so karg wie möglich gehalten und nicht gedüngt werden. „Jede organische Masse fördert die Algenbildung.“

Die pflegeleichte Alternative sind Pflanzkörbe aus Kunststoff: Sie halten zudem die Pflanzen in Schach. In den Pflanzkorb kommt ein Vlies, darauf die Pflanze. Der Raum zwischen Pflanze und Korbrand wird mit Teicherde gefüllt und wieder mit Kieselsteinen bedeckt. Auch der Fischbesatz muss an das geringe Wasservolumen angepasst sein. „Der heimische Bitterling wird nicht zu groß“, schlägt Schulze als geeignete Art  vor. „Zudem ist er ständig damit beschäftigt, Mückenlarven an der Wasseroberfläche zu fangen.“

Wie pflege ich den Mini-Teich?
Grundsätzlich sollte man immer ein Auge darauf haben. „Das Mini-Biotop funktioniert zwar, darf aber nicht einfach sich selbst überlassen bleiben“, sagt Sauer. Abgesehen davon, dass das Gefäß immer ausreichend gefüllt sein sollte, sind Algen das vordringlichste Problem. Einen normalerweise immer nützlichen Filter benötige man im Bottich-Biotop aber nicht zwingend, so Sauer. „Der Aufwand wäre auf der Terrasse oder auf dem Balkon zu groß.“



Sein Tipp: Abgestorbene Wasserpflanzen und Pflanzenteile so schnell wie möglich aus dem Wasser entfernen, um die Biomasse gering zu halten und damit auch einer Algenbildung vorzubeugen. Wasserpflanzen wie Tannenwedel und Wasserlinsen können zudem helfen, die Algen einzudämmen. Bilden sie sich dennoch, von Hand, mit einem Käscher oder Sieb abschöpfen.

Wie mache ich den Mini-Teich winterfest?
Ob der Teich draußen überwintern kann, hängt von seiner Größe ab. „Durch die geringe Tiefe frieren die Teiche meist komplett durch, das ist für die Pflanzen nicht gut“, erklärt Rottleb. Sie empfiehlt, kleinere Wasserlandschaften ins Haus oder an einen kühlen, frostfreien Platz zu stellen.  Ist der Teich zu groß, sollte er abgebaut und die Pflanzen herausgenommen werden. „Die Pflanzen werden hell, aber kühl überwintert und im Frühjahr wieder in den Teich gesetzt.“

Ist regional nicht mit allzu hartem, anhaltendem Frost zu rechnen, kann der Mini-Teich unter Schutz auch draußen bleiben. Schuh empfiehlt, ihn in diesem Fall wie frostempfindliche Kübelpflanzen zu überwintern: „Das Gefäß sollte so nah wie möglich an die Hauswand ziehen, die Seiten mit Vlies schützen und die Oberfläche zusätzlich mit Laub abdecken.“ So kann nichts mehr schief gehen. (dpa)