Experten-Kolumne von Markus Frings: Mit der Grundschuld sparen – manchmal einfach alles lassen, wie es ist

Die Grundschuld dient der Bank zur Besicherung des Immobilienkredits. Sie gibt dem Geldinstitut das Recht, die Immobilie notfalls zwangsversteigern zu lassen, falls der Schuldner die Zahlung der Raten einstellt. Ist der Kredit getilgt, spricht man davon, dass das Haus oder die Wohnung „lastenfrei“ ist – der Eigentümer ist endlich Herr im eigenen Haus.

« »
1 von 2
  • ARCHIV - 28.10.2018, Berlin: ILLUSTRATION - Eine Frau wirft eine Münze in eine Spardose. (zu dpa «Die Sehnsucht nach dem Zins: Online-Portale werben um Sparer» vom 18.02.2019) Foto: Arne Immanuel Bänsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Verwendung weltweit Foto: Arne Immanuel Bänsch (dpa)

  • Markus Frings ist Bankbetriebswirt und Leiter der Immobilienfinanzierung bei der Volksbank Marl-Recklinghausen eG. Er berät in allen Fragen rund um die Finanzierung eines Hausbaus oder Hauskaufs - speziell bei Fragen privater Häuslebauer. Foto: Paul Wiesmann

Emotional ist das blanke, saubere Grundbuch ein wichtiger Moment. Denn wenn das Darlehen getilgt ist, kann erst mal kein Dritter eine Zwangsversteigerung betreiben. Nüchtern betrachtet kann der Immobilienbesitzer aber auch die Grundschuld einfach lassen, wo sie ist: im Grundbuch eingetragen. Der Vorteil liegt darin, dass diese so für eine neue Finanzierung genutzt werden kann. Außerdem spart das auch die anfallenden Kosten für die Löschung und Beglaubigung. Dafür bitten normalerweise Grundbuchamt und Notar zu Kasse.

Die fortbestehende Grundschuld kann außerdem für eine neue Finanzierung genutzt werden. Die Grundschuld dient dann als Sicherheit für das neue Darlehen und wird sozusagen „wiederbelebt“. Dazu wird nichts neu eingetragen und der Gang zum Notar ist entbehrlich. Unterm Strich hat der Eigentümer dann weder für die Löschung noch für den Neueintrag der Grundschuld gezahlt.

Dieser Spareffekt funktioniert erfahrungsgemäß gut in Zusammenarbeit mit der Bank, die den ursprünglichen Kredit herausgelegt hat. Direktbanken neigen dazu, „fallabschließend“ zu arbeiten und direkt nach Zahlung des letzten Euros die Löschungsbewilligung an die Kunden zu versenden. Möchte man nicht mit seiner „alten“ Bank zusammenarbeiten, kann die Grundschuld zwar auf ein anderes Institut übertragen werden, die damit einhergehenden Kosten sind aber in der Regel höher als eine Neubestellung des konkret benötigten Grundschuldbetrages. Ob ein Bankwechsel lohnt, hängt von den Konditionen ab und sollte gut berechnet werden.

Grundschuld als Finanzierungsmodell nutzen
Auch bei einem Verkauf der Immobilie ist es möglich, die Grundschuld weiterzureichen. Sind Käufer und Verkäufer sogar beim selben Institut, sparen beide. Eine bestehende Sicherheit kann auch zur Sicherung von Darlehen der Kinder abgetreten werden, etwa als Zusatzsicherheit für deren Immobilienerwerb. Das kann ganz oder teilweise erfolgen, sodass die Eltern immer noch die Möglichkeit haben, selbst irgendwann einen günstigen Kredit aufzunehmen.

Die Grundschuld zu löschen empfehle ich daher denjenigen, die definitiv sicher sind, diese nicht irgendwann noch einmal nutzen zu wollen. Es gibt natürlich immer Ausnahmen, z. B. wenn mehrere Eigentümer vorhanden sind, aber nur einer von Ihnen Schulden hat. In diesem Fall haften alle für die Verbindlichkeiten des Einzelnen und können bei Ausfall des Zahlers sogar das Haus verlieren. Bei einer solchen Konstellation ist ein sauberes Grundbuch besser.

Ihr Markus Frings
 
 Markus Frings ist gelernter Bankbetriebswirt und Leiter der Immobilienfinanzierung bei der Volksbank Marl-
Recklinghausen.
Er berät bei allen
Fragen rund um
die Finanzierung
eines Hausbaus
oder -kaufs.

Die nächste Experten-Kolumne schreibt Raumausstatterin Jarka Dominik-Menzyk